Seit vielen Jahren ist Herbert Mayr bei der
ALLMATIC-Jakob Spannsysteme GmbH
tätig. Im November 2020 wurde er zum
Geschäftsführer des Unterthingauer
Unternehmens.

1973 gründete die Saurer-Allma GmbH einen eigenen Produktbereich rund um Spannsysteme. 2001 erfolgte der Verkauf dieser Sparte an die Jakob-Gruppe und seit November 2020 ist nun Herbert Mayr neuer Mann an der Spitze der ALLMATIC- Jakob Spannsysteme GmbH.
Im Gespräch mit dem Allgäuer Wirtschaftsmagazin berichtet er darüber was ihn um- und antreibt und welche Ziele er sich für die Zukunft gesetzt hat.

AWM: Herr Mayr, warum haben  haben Sie sich ursprünglich
für diese Firma entschieden und wie ist Ihr Werdegang?

Herbert Mayr: Ich war bereits einige Jahre bei Saurer-Allma beschäftigt, als Herr Jakob den Spannmittelbereich aufkaufte. Bei ALLMATIC mit ihren flachen Hierarchien sah ich eine Möglichkeit, etwas bewegen zu können. Hier
durchlief ich in den vergangenen 20 Jahren viele Stationen, vom Mitarbeiter in der Produktion bis zum Betriebsleiter und nun Geschäftsführer.

AWM: Wie können Sie Ihre bisherigen Erfahrungen im Unternehmen in Ihre neue Aufgabe als Geschäftsführer einbringen?

Herbert Mayr: Schon als Betriebsleiter standen die Prozessoptimierung und Ordnung an erster Stelle. Empathie und Teamwork sind weitere Faktoren, die ich als Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit sehe. Diese Erfahrungen möchte ich nun auf das ganze Unternehmen übertragen.

AWM: Gibt es Bereiche, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Herbert Mayr: Entscheidend sind die Mitarbeiter. Was auch immer in Soft- und Hardware investiert wird, letzten Endes sind es die Menschen, die den Erfolg des Unternehmens ausmachen. Ich bin sehr froh, ein außergewöhnliches Team um mich zu haben. Meine Priorität ist es immer, ein offenes Ohr für die Mitarbeiter zu haben und deren Ideen zu unterstützen. Bei allen Zahlen und Fakten setze ich mein Vertrauen meist in das Bauchgefühl meiner Mitarbeiter sowie in schnelle und mutige Entscheidungen. Das ergab stets die erfolgreichsten Projekte.

AWM: Eines dieser Projekte haben Sie 2018 ins Leben gerufen – das ALLMATIC Training Center, ein kostenloser Online-Kurs für Azubis.
Wie hat sich das seither entwickelt?

Herbert Mayr: Ich wollte, dass das Wissen von ALLMATIC im Bereich der Werkstückspannung auch Auszubildenden anderer Firmen zur Verfügung steht. Als IHK-Prüfer ist mir das besonders wichtig. So entstand, in Zusammenarbeit mit unseren Azubis, das Training Center. Inzwischen nutzen fast 1.000 Auszubildende aus ganz Deutschland den kostenlosen Videokurs. Gerade während Corona hat der Kurs enormen Anklang gefunden.

AWM: Derzeit wird viel über den Fachkräftemangel gesprochen. Wie begegnen Sie diesem Thema?

Herbert Mayr: Wichtig ist, jungen Menschen ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Durch die Automatisierung in unserer Produktion entstehen immer mehr Arbeitsplätze, bei denen sich der Mitarbeiter seine Arbeitszeit selbst einteilen kann. Des Weiteren bedarf es einer Unternehmenskultur, wo der Mitarbeiter für seine Leistung geschätzt wird. Seit vielen Jahren setzen wir zudem darauf, in Schulen und Workshops junge Menschen für eine Ausbildung zum Industriemechaniker oder -kaufmann/kauffrau zu interessieren. Die Ausbildung selbst gestalten wir möglichst praxisbezogen. So durchläuft jeder unserer Azubis grundsätzlich alle Abteilungen im Haus, sowohl in der Verwaltung als auch in der Produktion. Durch diesen gesamtheitlichen Einblick haben die Mitarbeiter später mehr Verständnis
auch für die Aufgaben anderer Bereiche.

AWM: Welche Chancen und Risiken sehen Sie in der zunehmenden Digitalisierung?

Herbert Mayr: Digitalisierung muss dem Menschen einfache Dinge abnehmen und ihn bei komplexen Prozessen unterstützen. Die Corona-Situation hat uns sehr deutlich vor Augen geführt, was durch Digitalisierung alles möglich ist. Dennoch ist es wichtig, genau hinzuschauen und abzuwägen, welche Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sind.

AWM: Eine letzte Frage, Herr Mayr: wie sehen Sie die Zukunft für die ALLMATIC GmbH?

Herbert Mayr: Wir erfinden uns derzeit neu. Drei Produktbereiche bestimmen unsere Aktivitäten – Schraubstöcke, Sonderlösungen
und Automatisierungsprodukte. Jeden Bereich betreuen und verantworten Mitarbeiter von der Beratung bis zur Konstruktion. Wir haben jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung von Schraubstöcken. Heute geht es darum, diese intelligent zu machen. Wir selbst fertigen auf technisch sehr hohem Niveau – heute bereits sehr viel automatisiert bis hin zum Werkstückhandling. Diese Erfahrung lassen wir in neue Technologieprodukte für unsere Kunden einfließen. Wir beschäftigen uns intensiv mit der automatisierten Bedienung von Schraubstöcken, Sensorik und Künstlicher Intelligenz (KI). Das sind alles Themen, die die Arbeit der Maschinenbediener einfacher und prozesssicher machen. Das ist für Fertigungsleiter wichtig und genau das, was ich mir als Geschäftsführer auch für meine Mitarbeiter wünsche.

AWM: Vielen Dank, Herr Mayr, für das interessante Gespräch.

Hier geht es zum Originalartikel